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Kinder und Sprachen

Spracherwerb und Sprachenlernen

Kleine Kinder scheinen besonders sprachbegabt zu sein. Sie können Sprachen spielend erwerben, während Jugendliche und Erwachsene Sprachen bewusst lernen müssen. Kinder sind kontaktfreudig und neugierig. Daher ist ihr Verhältnis zur Sprache unkompliziert und natürlich. Neugierde und Kontaktfreudigkeit sind die wichtigste Lernmotivation. Zweit- und Drittsprachen werden in frühester Jugend mit gleicher Mühelosigkeit erworben wie die erste Sprache. Ohne Anstrengung und ohne dass es dem Kind recht bewusst wird, meistert es wichtige Aspekte der Sprache: Intonation, Aussprache, Akzent, Feinheiten des Lautsystems und sogar den Wortschatz und die Grammatik. Erwachsene spielen eine wichtige Rolle beim erfolgreichen Spracherwerb des Kindes. Wenn Erwachsene mit kleinen Kindern sprechen, wiederholen sie sich, übertreiben in der Intonation, betonen, formulieren die Sätze um, zeigen auf Gegenstände, sprechen in kurzen Sätzen. Kinder sollen die Sprache in ihrem Umfeld häufig hören, um sie erwerben, verinnerlichen und bewahren zu können.

Wie wird man zwei- und mehrsprachig?

Die Art der Zweisprachigkeit hängt von den Umständen und dem Alter ab, in denen wir die Zweitsprache oder weitere Sprachen erwerben. Die Bilingualität ist auf unterschiedlichen Wegen erreichbar.

Zwei Sprachen von Geburt an:

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Elternteil mit dem Kind in der einen und der andere in der anderen Sprache spricht. Das Kind ist von klein auf mit zwei Sprachen in Kontakt. Man kann von "Zweisprachigkeit als Muttersprache" sprechen. Interkulturelle Lebensgemeinschaften und mit ihnen die Zweisprachigkeit werden in einer sich ständig erweiternden Europäischen Union zum Normalfall. Die Sprachverwendung und der Spracherwerb sind personenbezogen (eine Person - eine Sprache). Dies funktioniert und das Kind ist eher dann irritiert, wenn es bei den Erwachsenen an Konsequenz mangelt.

Der Erwerb einer zweiten Sprache:

Zunächst wird die zu Hause gesprochene Erstsprache eingeprägt und gefestigt, danach wird das Kind mit einer anderen Sprache konfrontiert. Die Zweitsprache wird oft in vorschulischen Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen erworben (sofern es solche mit einem entsprechenden sprachlichen Angebot gibt). Je kleiner das Kind, desto geringer die Mühe und größer die Perfektion. Komplexe Sprachsysteme können offensichtlich im Vorschulalter ohne größere Schwierigkeiten erworben werden. Zweisprachigkeit bei Jugendlichen: Auf den in der Kindheit durch den Erwerb zweier oder mehrerer Sprachen gelegten Fundamenten sollte ohne Unterbrechung weitergebaut werden. Die Zeit ab dem 11. Lebensjahr ist ein gutes Alter, um mit dem Sprachenlernen zu beginnen, wenn das Ausbildungsprogramm sorgfältig ausgearbeitet und durchgeführt wird. Die Vorteile der frühen Kindheit gibt es jetzt allerdings nicht mehr und die Motivation eines Erwachsenen hat sich noch nicht eingestellt.

Das Sprachenlernen der Erwachsenen:

Die Gründe, warum sich Erwachsene für das Sprachenlernen entscheiden, sind vielfältig: Manche müssen es tun, weil es ihre Berufslaufbahn erfordert. Für andere ist es ein Vergnügen und eine Möglichkeit, die geistige Frische zu erhalten. Erfolgserlebnisse treten manchmal ein, wenn man im Urlaub Gelegenheit, hat das Erlernte zu erproben. Was der Mensch in seiner Kindheit aufgenommen hat, kommt beim Sprachenlernen im Erwachsenenalter auf wundersame Weise wieder zum Vorschein, auch wenn die damals erworbene Sprachkompetenz in der Zwischenzeit geruht hat oder gar verdrängt wurde.

Kindgerechter Unterricht:

Zweisprachiger Unterricht an Südkärntner Schulen findet in einer Art bunten Klasse statt. Die Gruppe der angemeldeten Kinder ist heterogen. Es befinden sich darin Sprecher mit einem dem Alter entsprechenden Sprachniveau, solche, denen Slowenisch als Herkunftssprache abhanden gekommen ist, und solche, die aus anderen (durchaus vernünftigen) Überlegungen zusätzlich zur deutschen und englischen auch die slowenische und italienische Sprache erlernen. Der pädagogisch-didaktische Anspruch in Klassen, wo ein- und zweisprachiger Unterricht integrativ mit dem Zweitsprachenerwerb verknüpft ist, stellt die Lehrer/innen vor große Herausforderungen, insbesondere was die breit gefächerten Differenzierungserfordernisse angeht. Bestens qualifizierte pädagogische Fachkräfte sind gefragt.

Forschungen über Zweisprachigkeit:

Es gibt eine große Zahl einschlägiger Publikationen. Die meisten sind sich über die klaren Vorteile der Zweisprachigkeit einig. In Kärnten und im Burgenland wurden Schulkarrieren von Abgängern zweisprachiger Schulen untersucht. Das Ergebnis war, dass diese in ihrer weiteren Schullaufbahn im Durchschnitt besser abgeschnitten haben als Schüler/innen, die nur einsprachige Schulen besuchten. Kinder, die mehr als eine Sprache sprechen, scheinen auch über mehr soziales Empfinden zu verfügen als einsprachige Kinder. Bereits im Jahre 1969 vermerkten kanadische Studien, dass die Zweisprachigkeit beim Erlernen einer dritten, vierten oder sogar fünften Sprache den Lernerfolg verbessern kann. In gewisser Weise wird das Erlernen einer dritten Sprache durch den Erwerb einer zweiten vereinfacht.

Sprach- und Kulturerziehung:

Die Fundamente für das spätere Sprachenlernen werden in der Grundschule gelegt. In Form einer integrativen Einführung in eine zweite Sprache wird die Motivation zur Beschäftigung mit anderen Sprachen geschaffen und die Fähigkeit zur Kommunikation in anderen Sprachen angebahnt. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Persönlichkeitsbildung, insbesondere der sozialen Kompetenzen der Grundschüler geleistet. Die Begegnung mit neuen Sprachen findet in einer kindgemäßen zwanglosen Atmosphäre statt. Sprachliche Gegenüberstellungen und Vergleiche können anregend wirken.

Regionales Bildungsangebot:

Die Anmeldung bringt lediglich den Wunsch nach Inanspruchnahme eines bestimmten Bildungsangebotes in einem regionalen Sektor der österreichischen Schule zum Ausdruck. Wenn der Staat ein Angebot macht, dann ist es recht und billig, dass es auch angenommen wird. Eltern, die ihre Kinder zum zweisprachigen Unterricht anmelden, verknüpfen mit ihrer Entscheidung gewisse Erwartungen. Die bedeutendste ist wohl, dass das Kind in der Schule etwas lernt. Obwohl die zweisprachige Schule unter anderem dem Bildungsbedürfnis der autochthonen slowenischen Volksgruppe entsprechen will, ist es unzulässig, auf Grund der Anmeldung das Kind gemeinsam mit seiner Familie ethnisch zuzuordnen oder zu vereinnahmen.

Schul- und Schülerpartnerschaften:

Beim Erlernen von Sprachen ist es wichtig, dass die Schüler auch außerhalb der Schule Kontakt mit Sprechern aufnehmen können, die die betreffende Sprache als Erstsprache verwenden. Bei einem solchen kulturbezogenen Lernen gilt es, Kontaktmöglichkeiten zu nützen oder, wenn keine vorhanden sind, zu schaffen. Die Erkenntnis, dass man besonders erfolgreich lernt, wenn man sich in das Land begibt, wo die Zielsprache gesprochen wird, soll in der schulischen Unterweisung genützt werden. Zielorientiert sollen lebendige oder mediale Partnerschaften geknüpft und natürliche oder virtuelle Kontaktgelegenheiten mit dem sprachlichen und kulturellen Hinterland geschaffen werden.

Sprachenlernen als Friedenserziehung:

Fähigkeiten und Fertigkeiten im Kommunikationsbereich allgemein und in interkultureller Kommunikation im Speziellen sind Teil der emotionalen Intelligenz. Sie erlangen als Schlüsselqualifikationen eine immer größere Bedeutung. Die Förderung bzw. der Erhalt der Mehrsprachigkeit und der kulturellen Vielfalt wirken auf das Bild, das sich Menschen von Sprachen und Kulturen machen. Es ist dies eine Möglichkeit, Toleranz und Respekt im Umgang mit anderen als Basis eines friedlichen Zusammenlebens zu fördern. Auch das Zusammenleben will gelernt sein; dies ist dort möglich, wo Beziehung stattfindet.









  

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