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Die Anmeldung zum zweisprachigen Unterricht oder zum Slowenischunterricht

WANN?

Die Schulanfänger, die erstmals zum Schulbesuch angemeldet werden, können schon bei der Schülereinschreibung zum zweisprachigen Unterricht angemeldet werden. Ansonsten besteht die Möglichkeit der Anmeldung zu Beginn jedes Schuljahres. In der Praxis ist es so, dass die Schulen während der ersten zehn Kalendertage nach Unterrichtsbeginn im neuen Schuljahr die Anmeldungen entgegennehmen.

WIE?
Es ist zu empfehlen, die Anmeldung schriftlich vorzunehmen. (An zahlreichen Schulen liegen dafür Vordrucke auf.) Eine schriftliche Anmeldung können die Eltern persönlich, über das Kind oder auf dem Postweg dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin oder dem/ der Schulleiter/in übermitteln. Eine mündliche Anmeldung beim Schulleiter/bei der Schulleiterin ist ebenso möglich. Diese/r protokolliert sie durch einen Aktenvermerk. Die Unterschrift des/der Erziehungsberechtigten ist in diesem Fall nicht erforderlich.

WER KANN ANGEMELDET WERDEN?

Zum zweisprachigen Unterricht oder zum Slowenischunterricht kann jedes schulpflichtige Kind angemeldet werden. Es gibt keine Einschränkungen, wie etwa die Zugehörigkeit zur slowenischen Volksgruppe oder Slowenischkenntnisse. Eine Anmeldung ist auch dann möglich, wenn das Kind in den vorangegangenen Schuljahren nicht Slowenisch gelernt hat, also wenn es mit dem Erlernen der slowenischen Sprache in der zweiten oder dritten Schulstufe oder gar erst in der Hauptschule beginnt.

WIE OFT?

Die Anmeldung gilt für die gesamte Schulzeit in der betreffenden Schulart, wenn sie nicht am Ende des Schuljahres widerrufen wird. Es ist nicht erforderlich, das Kind in jedem Schuljahr neu anzumelden. In der Hauptschule und an anderen weiterführenden Schulen mit einem entsprechenden Angebot ist eine neuerliche Anmeldung erforderlich.

ANMELDEVARIANTEN IN DER HAUPTSCHULE:

a) Slowenisch als zusätzlicher Pflichtgegenstand nach dem Minderheiten-Schulgesetz (Muttersprachenunterricht): Der Slowenischunterricht ist in diesem Falle dem Deutschunterricht gleichgestellt. Außerdem hat das Kind die Möglichkeit, lebende Fremdsprachen wie Englisch, Italienisch oder andere zu erlernen. b) Lebende Fremdsprache Slowenisch: Der Schüler oder die Schülerin hat die Möglichkeit als lebende Fremdsprache wahlweise Englisch, Slowenisch oder andere Sprachen zu lernen. Fällt die Entscheidung auf Slowenisch, so gilt Slowenisch als alternativer Pflichtgegenstand. Der Schüler/die Schülerin muss den sonst vorgesehenen Unterricht in einer lebenden Fremdsprache nicht besuchen; es bleibt ihm allerdings die Möglichkeit, Englisch oder eine andere angebotene Sprache als Freigegenstand zu wählen. c) Freigegenstand Slowenisch: Die slowenische Sprache kann in der Hauptschule auch im Rahmen eines Freigegenstandes gelernt werden.
  Veè...

"Ja, aber...!"

Warum nicht? - Vernunft statt Emotionen

Aus verschiedenen Gründen gibt es in der Bevölkerung Bedenken, Einwände und Ängste, die den Einzelnen davon abhalten, von dem Angebot des zweisprachigen Unterrichts Gebrauch zu machen. In Informationsgesprächen werden Antworten auf Bedenken und Einwände und Argumente für die Zweisprachigkeit gesucht, die den Erziehungsberechtigten die Entscheidung erleichtern sollen.

- In der Familie wurde mit dem Kind nicht slowenisch gesprochen.

+ Es ist dies eine intime Entscheidung der Eltern, die zu respektieren ist. Die frühkindliche Zwei- und Mehrsprachigkeit - dort, wo sie auf Grund der Lebenssituation des Kindes möglich ist - stellt eine unwiederholbare Chance für den heranwachsenden jungen Menschen dar. Das Kind ist bereits beim Sprechenlernen imstande, zwei oder mehr Sprachen zu erwerben. Die bilinguale Erziehung im Kleinkindalter ist besonders wirksam, wenn sie konsequent personen- und situationsbezogen abläuft. Eine besondere Möglichkeit ergibt sich nicht selten im sprachlichen Kontakt mit den Großeltern, deren Beitrag eine wertvolle Hilfe sein kann.

- Volksgruppenangehörige wollen die Vermittlung ihrer Sprache der Schule überlassen.

+ Wo die Voraussetzungen gegeben sind, kann in der Familie eine wertvolle Vorarbeit geleistet werden. Die mangelnde Konsequenz mancher Volksgruppenfamilie geht zu Lasten des Kindes. Auch die Mundart bietet eine solide Basis für den Erwerb der Schriftsprache. Bekannt sind die Klagen junger Menschen, die im Erwachsenenalter mit harter Mühe das nachzuholen versuchen, was die eigenen Eltern oder Großeltern ihnen wegen eines nicht immer erklärbaren Anpassungsbedürfnisses vorenthalten haben. Wenn die Schule bei "Null" beginnen muss, wird sie dem Kind in wenigen Jahren die Muttersprache nicht zurückbringen können. Man sollte weder das Kind noch die Schule mit übertriebenen Erwartungen überfordern.

- Das Slowenische ist gerade noch die Sprache der älteren Generation.

+ Die Kinder lieben ihre Großeltern. Sie mögen ihre Sprache. Die Zeiten, als mit der slowenischen Muttersprache eine soziale Minderbewertung verbunden war, sind gottlob vorbei. (Interessanterweise ist die Bereitschaft, das Slowenische zu bewahren, bei den Menschen mit höherer Bildung stärker ausgeprägt.) Der Wunsch "Die Jungen sollen es besser haben!" ist heutzutage nicht mit Einsprachigkeit, sondern eher durch die Zwei- und Mehrsprachigkeit zu verwirklichen. Die Suche nach den Wurzeln, die Besinnung auf die Herkunft setzt ziemlich sicher einmal ein, häufig erst dann, wenn vieles unwiderruflich verloren ist. Mühsame, zeitaufwändige und mitunter teure Sprachkurse für Erwachsene sind kein gleichwertiger Ersatz.

- Öffentliche Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen nehmen wenig Rücksicht auf die Zweisprachigkeit.

+ Tatsache ist, dass die vorschulische Betreuung und Erziehung zunehmend von der Familie öffentlichen Einrichtungen überantwortet wird. Diese sind somit zuständig für das von der UN-Konvention über die Rechte des Kindes ableitbare Recht auf Sprache und zumindest mitverantwortlich bei einem eventuellen Sprachverlust. Es gibt zu wenig vorschulische Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen, die auf die Zweisprachigkeit des Kindes Rücksicht nehmen. Daher ist es legitim, dass die Eltern für ihr Kind die entsprechende sprachliche Betreuung einfordern. Nur so können nützliche Grundlagen für einen effektiven Spracherwerb in der Schule geschaffen werden. Die frühe Übung, in zwei Sprachen zu denken, steigert die intellektuelle Leistungsfähigkeit. Diese bewiesene Tatsache sollte nicht ignoriert werden.

- Es gibt unterschiedliche Zugänge zu einer weiteren Sprache.

+ Tatsächlich gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Auffassungen über die Effizienz der verschiedenen Lehrmethoden. Es gilt jenen Weg zu finden, der den Beteiligten (Schüler - Lehrer - Eltern) am ehesten entspricht. Allgemein gültige Rezepte für den Erfolg gibt es nicht. Von großer Bedeutung ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule. Die Sprache erwirbt man durch Sprechen. Der kommunikative Ansatz und eine einfache Verständigung in allen nur möglichen Situationen des Alltags in der Schule und daheim ist in jedem Fall so genannten Sprachlektionen vorzuziehen, und zwar in der gesamten Bandbreite vom Hörverstehen bis zum aktiven Sprachgebrauch. Die Sprachbetrachtung und das Herausheben von Gesetzmäßigkeiten und Regeln kommen später hinzu.

- Zweisprachigkeit kann zum Sprachverlust führen.

+ Volksgruppenangehörige befürchten manchmal, dass es durch die Forcierung der Zweisprachigkeit zum Verlust der ohnehin bedrängten Volksgruppensprache kommen könnte. Die Zweisprachigkeit könnte solcherart ein Übergang in eine neue Einsprachigkeit werden. Diese Bedenken bestehen zu Recht, wenn ein schlampiges Verhältnis zu einer oder zu beiden Sprachen mit einhergeht. Die Lehrer/innen sind jedenfalls verpflichtet das Kind dort abzuholen, wo es sich befindet. Das Spannungsverhältnis zwischen dem natürlichen (in die Wiege gelegten) und dem kulturellen (später angeeigneten) Bilingualismus könnte die erwünschte Zweisprachigkeit auch in ihr Gegenteil verkehren, so dass sie in eine "Halbsprachigkeit" abdriftet. Solchen Gefahren muss kompetent begegnet werden. Gut qualifizierte pädagogische Fachkräfte und eine hohe Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten sind gefragt.

- Die Minderheitensprache hat ein geringes Sozialprestige.

+ Es gibt eine Sprachenhierarchie, die von Weltsprachen, Verkehrssprachen, stark verbreiteten Sprachen, über Staats- und Landessprachen, Volksgruppensprachen, Regionalsprachen bis zu Migrantensprachen reicht. Die Dominanz der Mehrheitssprache im öffentlichen Leben, in den Medien, in der Bildung, Wirtschaft, Politik, Kultur und im Gesellschaftsleben bringt die Volksgruppensprache in Bedrängnis. Durch Schutzbestimmungen und Förderprogramme können Defizite kaum ausreichend ausgeglichen werden. Durch die Öffnung der Grenzen und die verstärkte Mobilität gewinnt allerdings die Zwei- und Mehrsprachigkeit an Bedeutung. Wie in der Wirtschaft wird auch in der Bildung die Nachfrage nach Nischen eine wichtige Rolle einnehmen. Die sprachliche Spezialisierung fällt dem jungen Menschen sozusagen in den Schoß. Die überregionale Bedeutung des zweisprachigen Unterrichts liegt auf der Hand. Der für viele Kärntner/innen relativ einfache Zugang zu den slawischen Sprachen (18 % der Weltbevölkerung sprechen eine slawische Sprache) könnte in Zukunft - zusätzlich zu einer soliden Fachausbildung - für die Berufslaufbahn junger Menschen von Bedeutung sein. Der Leitgedanke ist nicht "Entweder - oder!", sondern "Je mehr, desto besser!"

- Die Zweisprachigkeit ist eine zusätzliche Belastung und behindert das Kind bei der Bewältigung der Stofffülle.

+ Diese Sorge ist in der Regel unbegründet. Manche Eltern haben ihr Kind bei Schulschwierigkeiten vom zweisprachigen Unterricht abgemeldet um es zu entlasten. Die Probleme sind aber meistens geblieben. Leistung ist natürlich gefragt, denn ohne Fleiß kein Preis! In der Schule wird mit viel Gefühl und modernen Lernmethoden gearbeitet. Das Üben und Wiederholen ist wichtig; die Kinder eignen sich eine konsequente Arbeitshaltung an. Bei den Hausübungen haben die Lehrer/innen darauf zu achten, dass sie das Kind ohne fremde Hilfe bewältigen kann. Kinder von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Kriegsgebieten im Süden besuchten österreichische Schulen. Es war erstaunlich, wie schnell und gut diese Schüler/innen Deutsch gelernt haben. Wenn die schulischen und außerschulischen Rahmenbedingungen stimmen - die Sprache lernt man von früh bis spät auch außerhalb der Schule -, stellt sich der Erfolg ein.

- Überwiegen die Vor- oder Nachteile?

+ Tatsächliche oder vermeintliche Benachteiligungen wegen der Zugehörigkeit oder eines Nahverhältnisses zur Minderheit mögen vorkommen. Allgemein sind sie zurückgegangen. Die Zweisprachigkeit eröffnet zusätzliche Möglichkeiten der Teilnahme am Gesellschafts-, Kultur- und Wirtschaftsleben im eigenen Land und in der Nachbarschaft. Die Menschen haben das erkannt. Dem Kind wird jedenfalls etwas gegeben, das im Leben nützlich sein kann - eine zweite Sprache. Und die kann ihm niemand wegnehmen.

- Ist die zweisprachige Schule eine Sackgasse?

+ Zweisprachiger Unterricht ist für die Vorschulstufe und für die ersten drei Schulstufen der Grundschule vorgesehen. In dieser Zeit wird das Fundament für die aufbauende bilinguale Bildung und Erziehung gelegt. Ab der vierten Schulstufe wird Slowenisch als eigener Unterrichtsgegenstand angeboten. Nach der Volksschule können die Schüler/innen am Slowenischunterricht in der Hauptschule oder in der Unterstufe des Gymnasiums teilnehmen. Am Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium für Slowenen findet der gesamte Unterricht in slowenischer Sprache statt. Im Unterrichtsfach Deutsch müssen die Schüler/innen das gleiche Niveau nachweisen, wie es für alle anderen österreichischen höheren Schulen gefordert wird. Ab der 9. Schulstufe bestehen zusätzliche Möglichkeiten im Besuch der Zweisprachigen Bundeshandelsakademie in Klagenfurt oder der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in St. Peter bei St. Jakob. Es findet sich immer ein Weg. Selbst ein zeitweiliger Schulbesuch in Slowenien lässt sich organisieren.


- Die Unannehmlichkeit des Außenseiterdaseins.

+ Es gibt Schulen, an denen nur wenige Schüler zum zweisprachigen Unterricht oder zum Slowenischunterricht angemeldet sind. Für die, die Slowenisch lernen, ergibt sich eine Art Vereinsamung. Dies ist alles andere als angenehm. Schwierig wird es auch, wenn es auf Grund der niedrigen Anmeldeziffern zu einer ungünstigen Stundenplangestaltung kommt. Trotz gelegentlicher Probleme und Unannehmlichkeiten ist die Schule bemüht, gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

- Urängste, Altlasten und Vorurteile machen es schwer.

+ Junge Menschen gehen unbeschwert aufeinander zu. Leidvolle Erfahrungen der älteren Generation dürfen sich nicht wiederholen. Die Beseitigung der Sprachbarrieren ist ein Beitrag zur Überwindung von Gegensätzen. Das Sprachenlernen ist die wirksamste Art der interkulturellen Begegnung und somit der Friedenserziehung.

- Es gibt Versuche, auf Grund der Sprachkenntnisse nationale Zuordnungen vorzunehmen.

+ Die Zugehörigkeit des Einzelnen zu einer Sprachgemeinschaft, Nationalität oder Volksgruppe kann nur durch sein individuelles Bekenntnis bestimmt werden. Jeder Versuch einer Vereinnahmung oder Zuordnung ist unzulässig und eine Einschränkung der persönlichen Unabhängigkeit. Das Sprachenlernen oder die Sprachbeherrschung ist kein Bekenntnis zu einer Ethnizität; man wird ja auch nicht gleich ein Italiener, wenn man italienisch spricht. Das Zusammenleben in einer "Kultur der bunten Wiesen", wo jeder angenommen wird und seinen Platz findet, sollte als typisch kärntnerisch erhalten bleiben. Die Feststellung "In Südkärnten leben Deutsche und Slowenen und alle sind zweisprachig" ist heute nur noch geschichtliche Erinnerung.

- Minderheitenfreundlichkeit wird kritisch betrachtet.

+ Berührungsängste belasten Menschen mit einem verminderten Selbstwertgefühl. Leute, bei denen man auf Grund ihrer Herkunft die Zugehörigkeit zur slowenischen Volksgruppe vermuten könnte, sind besonders auf Abgrenzungen bedacht. Die wahren Gründe sind meist nicht bekannt. Für Kinder stellen sich diese Probleme der Erwachsenen nicht. Vorurteile und Abgrenzungen werden ihnen anerzogen, oft zu ihrem eigenen Nachteil. Jeder Haltung muss man mit Respekt begegnen. Einer erkennbaren Unterdrückung, der bewussten Hetze und gewissenlosen Verführung sollte man aber entschieden entgegentreten.

- Das Lernen einer Sprache, die nur von zwei Millionen Menschen gesprochen wird, zahlt sich nicht aus.

+ Die slowenische Sprache hat nicht sehr viele Sprecher, sie ist aber Sprache der Nachbarn. Die wirtschaftlichen, kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und auch persönlichen Kontakte und die sich mehrenden Besuche der Menschen aus dem Nachbarland (Kunden, Geschäftspartner, Touristen) haben eine Intensität erreicht, die bislang unbekannt war und sich durch den zu erwartenden EU-Beitritt noch steigern wird. Sprachkompetenzen ebnen den Weg zum Erfolg. Geschäfte kommen nicht selten als Gefühlsentscheidungen zu Stande. Gerade wegen des Einkaufstourismus nach Kärnten ist die Zweisprachigkeit oft der ausschlaggebende Grund für eine Anstellung oder für eine Lehrstelle.Darüber hinaus erschließt sich dem, der eine slawische Sprache spricht, eine große, neue Welt.



  

Abriss der Geschichte des gemeinsamen Kärnten

Karantanien und die Alpenslawen

Die Slowenen (vormals als Alpenslawen bezeichnet) siedelten sich vor rund 1400 Jahren in dem Gebiet an, das im Norden bis zur Donau, im Osten bis zu den Flüssen Leitha und Schwarza und im Süden bis zu den Karawanken bzw. zu den Julischen und Karnischen Alpen reicht. Das Zentrum des Fürstentums Karantanien waren die Karnburg und das Zollfeld. Mitte des 8. Jahrhunderts kam es unter bairische und fränkische Herrschaft. In diese Zeit fiel auch die Christianisierung des heutigen Kärntens. Im Jahre 976 wurde es wieder ein selbstständiges Herzogtum im Rahmen des deutschen Reiches. Seit 1335 stand das Land gemeinsam mit Tirol im Besitz der Habsburger. Die slawischstämmige Bevölkerung wurde nach der von der ostfränkischen Herrschaft gestützten Einwanderung und Ansiedlung bairischer und fränkischer Bauern seit dem 9. Jahrhundert noch im Verlauf des Mittelalters in wechselseitigen Assimilationsprozessen zunehmend auf Süd- und Südostkärnten bzw. die Untersteiermark zurückgedrängt. Im 15. Jahrhundert bildete sich so in Kärnten eine Sprachgrenze entlang der Linie Hermagor - Villach - Maria Saal - Diex - Lavamünd heraus, die im Wesentlichen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten bleiben sollte.

Slowenisch wird europäische Kultursprache

Für die Entwicklung der slowenischen Schriftsprache war die Reformation von großer Bedeutung. Der 1550 von Primož Trubar veröffentlichte "Catechismus in der Windischen Sprach" mitsamt einem "Abecedarium" und die darauf folgende Bibelübersetzung von Jurij Dalmatin brachte breiten Bevölkerungsschichten den Beginn der Alphabetisierung und bedeutete den Beginn der Entwicklung des Slowenischen zur Schriftsprache. Am Anfang des 19. Jahrhunderts fiel die Entscheidung darüber, ob die slowenische Sprache unter Einfluss des von den Kroaten ausgehenden Bestrebens nach Vereinigung aller Südslawen in einer gemeinsamen Sprache aufgehen oder einen eigenständigen Weg beschreiten sollte. Eine sprachliche Vereinigung im Illyrischen als einer Mischform des Slowenischen, Kroatischen und Serbischen kam nicht zu Stande. Die Entscheidung zu Gunsten der slowenischen Schriftsprache fiel durch France Prešeren (1800 - 1849) und Matija Èop (1797 - 1835), durch deren Schrifttum und Dichtkunst eine derartige Veredelung der Sprache gelang, dass sie auch für anspruchsvolle künstlerische Ausdrucksformen einen ausreichenden Wort- und Formenschatz anzubieten hatte. So erhielt die slowenische Sprache einen ebenbürtigen Platz unter den Literatursprachen und die Slowenen fanden Einlass in den Kreis europäischer Kulturnationen.

Mehrheit - Minderheit

Der Vielvölkerstaat der Habsburger ist unter anderem an der unbewältigten Nationalitätenfrage gescheitert. Auf dem Territorium der österreichisch-ungarischen Monarchie sollten nach Ende des Ersten Weltkrieges Nationalstaaten errichtet werden. Die Staatsgrenzen konnten nicht nach dem Verlauf der ethnischen Grenzen gezogen werden. Es entstanden kleine Nationalitätenstaaten, die - wie sich heute wiederholt auf tragische Weise herausstellt - auch nicht in der Lage waren, die Fragen und Probleme des Zusammenlebens zu bewältigen. Die Kärntner Slowenen fanden sich in der jungen Republik Österreich als nationale Minderheit wieder. Bei der Festlegung der Südgrenze Österreichs kam es zu Auffassungsunterschieden darüber, ob der Siedlungsbereich der deutsch- bzw. slowenischsprachigen Bevölkerung oder der Gebirgszug der Karawanken als Grundlage für die Grenzziehung genommen werden sollte. Für die Karawankengrenze sprach, dass sich diese natürliche Grenze zwischen den Herzogtümern Kärnten und Krain bewährt hatte, wenngleich sie nicht die Funktion einer Staatsgrenze gehabt hatte.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es wiederholt zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Streitkräften des neu entstandenen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) und Freiwilligenverbänden aus Kärnten (Abwehrkämpfer). Die am 10. Oktober 1920 in der Zone A unter der Aufsicht der interalliierten Kommission durchgeführte Volksabstimmung brachte die endgültige Klärung: 22.025 (59,04 %) wahlberechtigte Kärntnerinnen und Kärntner - darunter ein hoher Anteil von Sloweninnen und Slowenen - stimmten für den Verbleib bei Österreich und 15.279 (40,96 %) für den Anschluss an den südslawischen SHS-Staat.

Schwere Zeiten

Der demokratische und für die damalige Zeit in seiner Art einzigartige Volksentscheid wurde im Nachhinein als Sieg der deutschsprachigen Kärntner über die slowenischen Landsleute gefeiert. Sowohl das Stimmverhalten eines Teiles der Kärntner Slowenen als auch allein schon die Zugehörigkeit zur Minderheit waren in den folgenden Jahren und Jahrzehnten der Vorwand für Anfeindungen. Anders lautende Beteuerungen und Versprechungen vor der Volksabstimmung waren bald vergessen. Mehrjährige Verhandlungen in der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre über die Einrichtung einer Kulturautonomie der Kärntner Slowenen, die u. a. auch das Bekenntnis zu einer "slowenischen Volksgemeinschaft" (als "Gemeinschaft öffentlich-rechtlicher Art") durch die Eintragung in das "slowenische Volksbuch" vorsah, brachten kein Ergebnis. Schon vor, besonders aber nach der Volksabstimmung versuchte man die Südkärntner zu spalten in "Windische" und "Nationalslowenen". Es wurde ein Konzept erstellt, das in den deutschfreundlichen Slowenen assimilierungswillige Windische sah. Das Windische sollte lediglich als Regionalsprache ohne linguistischen oder kulturellen Anspruch und ohne jeglichen Zusammenhang mit der slowenischen Schriftsprache Anerkennung finden. Die Bezeichung "windisch" war an sich nicht neu, nannten die Deutschen doch von jeher die Slowenen "Windische". Der politische Charakter der Konstruktion war unverkennbar: "Windisch" wurde nicht als dialektale Variante des Slowenischen akzeptiert. Es galt vielmehr als Synonym für "deutschfreundlich", "heimattreu" und "assimilierungswillig". Slowenen wurden als Hochverräter und Irredentisten diffamiert. Das hatte Folgen. Bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten versuchten die Slowenenvertreter durch eine Loyalitätserklärung das Schlimmste abzuwenden. Geholfen hat es nicht. Bald nach dem Anschluss wurden slowenische Politiker, Lehrer/innen und Geistliche des Landes verwiesen. Es wurde verboten, in Kasernen, am Arbeitsplatz, in Schulen und in der Öffentlichkeit slowenisch zu sprechen, in Gasthäusern slowenisch zu singen. Auch in der Kirche wurde die slowenische Sprache verboten. "Der Kärntner spricht deutsch!", hieß die Parole. Repressalien, insbesondere die Aussiedlung der Kärntner Slowenen, verursachten Unruhe. Ab 1942 kam es nach anfänglichem passivem Widerstand auch in Kärnten zum bewaffneten Kampf gegen Hitlerdeutschland. Der Widerstand der slowenischen Partisanen war der einzige militärisch organisierte Widerstand gegen das NS-Regime in Österreich. Bei den Verhandlungen um eine neuerliche österreichische Staatssouveränität wurde dieser Widerstandskampf von den österreichischen Verhandlern als Beitrag Österreichs zur eigenen Befreiung ins Treffen geführt.

Der Neubeginn

Die nach Kriegsende von jugoslawischer Seite erhobenen Gebietsansprüche auf Teile Südkärntens brachten erneut Unruhe ins Land. Die gesellschaftspolitische Neuordnung des Nachbarstaates in ein kommunistisches System und die unterschiedliche Beurteilung der weiteren politischen Entwicklung brachten darüber hinaus eine Verschärfung der ideologischen und politischen Differenzen innerhalb der slowenischen Volksgruppe. Anders als in Zeiten der Monarchie und der Ersten Republik, als für Südkärnten so genannte utraquistische Schulen vorgesehen waren, sah eine Verordnung der provisorischen Kärntner Landesregierung 1945 zweisprachige Volksschulen vor: "Auf den ersten drei Schulstufen wird der Gesamtunterricht zur Hälfte in deutscher und slowenischer Sprache erteilt." Schüler/innen, die aus dem Bereich der Minderheitenschulen kamen, mussten in den weiterführenden Schulen (Hauptschulen, Gymnasien) verbindlich am slowenischen Sprachunterricht teilnehmen. Die Neugestaltung des Schulkonzepts sollte einen Beitrag zur Wiedergutmachung des NS-Unrechts leisten. Zugleich war es ein regionales Bildungskonzept, das ungeachtet der Zugehörigkeit und des Bekenntnisses zu einer Volksgruppe junge Menschen für eine offenere Begegnung befähigen sollte. Der verpflichtende zweisprachige Unterricht sollte die Grundlage für eine gleichberechtigte Partnerschaft und für grenzüberschreitende Begegnungen schaffen. Der am 15. Mai 1955 unterzeichnete Staatsvertrag brachte im Artikel 7 der slowenischen Volksgruppe in Kärnten eine völkerrechtliche Grundlage für Minderheitenschutz und Minderheitenförderung. Darin wurde der Anspruch der Volksgruppe auf Elementarunterricht in slowenischer Sprache und auf eine verhältnismäßige Anzahl eigener Mittelschulen verankert. Nach der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages und dem Abzug der Besatzungssoldaten wurde die obligatorische Zweisprachigkeit an den Südkärntner Schulen auf Druck wiedererstandener deutschnationaler Organisationen aufgehoben. Am 19. März 1959 trat das Minderheiten-Schulgesetz für Kärnten in Kraft. An jenen Volksschulen, die zu Beginn des Schuljahres 1958/59 (nach der Abmeldemöglichkeit) den zweisprachigen Unterricht erteilten, und an jenen Hauptschulen, an denen Slowenisch als Pflichtfach angeboten wurde, hat nun das Kind das Recht, "die deutsche und die slowenische Sprache als Unterrichtssprache zu verwenden oder diese in einem Pflichtgegenstand zu erlernen, wenn dies der Wille seines gesetzlichen Vertreters ist". Das Anmeldeprinzip und somit die Freiwilligkeit wurden damit maßgeblich. Das Jahr 1988 brachte eine bedeutende Reform dieses Minderheiten-Schulgesetzes.

  

Die Kampagne

Ist es nicht so? Du hörst es, du siehst es, du kennst ein paar Fakten, aber mehr auch nicht. Dabei ist Slowenisch in Kärnten lebendig! Nutze die Chance, die zweite Hälfte deiner Kultur bewusst zu erleben – hier und jetzt: „Slowenisch erleben“ ist mehr als ein Internetservice. Es ist ein offenes Angebot für alle, die neugierig sind auf ihre Umgebung, ein Auftakt zu deiner ganz persönlichen Entdeckungsreise, ein cooler Link in spannendes Neuland. Schau dich mal um – unter www.copi.at wirst du fündig.


1fach 2sprachig – wer bietet mehr?

Längst hat sich überall herumgesprochen: zweisprachig bringt mehr. In allen Ecken Europas wird zunehmend Mehrsprachigkeit im Bildungswesen gefördert. Damit sind wir hier in Kärnten eindeutig im Vorteil, denn bei uns hat zweisprachige Erziehung Tradition. Gerade in Zeiten der EU-Osterweiterung gewinnt Slowenisch rasant an Bedeutung. Hallo, Lust auf Karriere? Unser Angebot gilt. Auch für dich.


X Sprachen mit einer Zunge

Was ist Slowenisch eigentlich für eine Sprache? Wo wird sie verwendet? Was bringt sie mir? 1. Slowenisch spricht vielleicht dein Nachbar oder deine Arbeitskollegin. „Dober dan“ ist somit Teil deiner regionalen Identität als Kärntner/in, also ein „fremder“ Teil von dir. Lerne ihn kennen! 2. Slowenien lädt nicht nur zum Reisen und Shoppen ein, sondern bietet in Zukunft einen attraktiven Arbeitsmarkt – vor allem für Zweisprachige! 3. Slowenisch ist eine slawische Sprache, deren Beherrschung den gesamten südosteuropäischen Raum mit ca. 270 Mill. SprecherInnen eröffnet. Keine Angst, den perfekten Zungenschlag musst du dafür nicht beherrschen!

Slowenisch mit allen Sinnen

Sprache ist nicht nur ein Instrument, das dem Verstand unterliegt, sondern ganz stark mit Emotionen verbunden. Sprache hat Rhythmus, Farbe, Klang, ihre eigene Musik und ein eigenes Schriftbild. Wer hat noch nie fasziniert einer fremden Sprache gelauscht, ohne ein einziges Wort zu verstehen? Oder Aufschriften studiert, ohne sie entziffern zu können? Probier es aus, spüre bewusst dem Slowenischen nach – in der Musik, bei Veranstaltungen, im Fernsehen oder per Internet. Ein Genuss garantiert ohne Nebenwirkungen!


Nichts leichter als das!

Globalisierung, Pluralismus, Werteverfall – Schlagworte, die den Mangel an Orientierung und die zunehmende Verunsicherung in unserer Gesellschaft bezeichnen. Eigene Standpunkte zu finden und Haltung zu zeigen wird einem nicht leicht gemacht, weder im privaten noch im öffentlichen Raum. Die zweite Sprache in Kärnten, die Sprache unserer Vorfahren und Nachbarn, betrifft beide Räume. Bevor wir Position beziehen, sollten wir einfach mal zuhören, dem Slowenischen lauschen, sei es gesungen oder gesprochen, live oder im Radio. Vielleicht geht der nächste Schritt dann wie von selbst.



SLO von A bis Ž

Slowenisch hat viele Stimmen und ist in all seinen Formen, von den verschiedenen Dialekten bis zur Hochsprache in dieser Region vertreten. Die slowenische Literatur aus Kärnten ist weit über die Grenzen hinaus bekannt; für Leseratten eine wahre Goldgrube. Ein Grund mehr, die slowenische Sprache zu lernen – oder nicht? Zuerst anhand einzelner Aufschriften, dann die Speisekarte oder den Wetterbericht bis ... ja, bis dann der erste Sprachkurs lockt. – Wie sagte Peter Handke vor kurzem in Klagenfurt/Celovec? „Der Mensch lebt von Brot und Büchern – und das bitte ich Sie, nein, ich bitte überhaupt nichts, lesen Sie gefälligst!“ Und damit meinte er die wunderbaren slowenischen Autoren Kärntens.
  

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